Aus Freiheit handeln: Die RHSM beim Deutschen Stiftungstag 2026 in Hamburg
Mehr als 2.250 Teilnehmende, über 100 Veranstaltungen und rund 250 Mitwirkende: Der Deutsche Stiftungstag 2026 brachte am 20. und 21. Mai die deutsche Stiftungswelt in Hamburg zusammen. Die RHSM war in diesem Jahr als Teilnehmerin dabei und nutzte den Kongress für das, was ihn besonders wertvoll macht: persönliche Gespräche, neue Perspektiven und den offenen Austausch über die Verantwortung von Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen.
Freiheit ist Voraussetzung und Auftrag
„Aus Freiheit handeln“ lautete das Thema des Deutschen Stiftungstags 2026. Damit stellte der Bundesverband Deutscher Stiftungen eine Frage in den Mittelpunkt, die weit über das Stiftungswesen hinausreicht: Wie können wir vorhandene Freiräume nutzen, schützen und verantwortlich gestalten?
Freiheit ermöglicht es, neue Ideen zu entwickeln, gesellschaftliche Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und dort zu handeln, wo staatliche oder wirtschaftliche Strukturen allein nicht ausreichen. Doch Freiheit bleibt nur tragfähig, wenn Menschen und Organisationen Verantwortung übernehmen.
Gerade angesichts zunehmender Polarisierung, wachsender Unsicherheit und spürbarer Angriffe auf demokratische Institutionen wird deutlich, welche Bedeutung dem Dritten Sektor und der organisierten Zivilgesellschaft zukommt. Stiftungen und gemeinnützige Organisationen stehen nicht am Rand der Gesellschaft. Sie schaffen Räume für Teilhabe, ermöglichen Bildung und Begegnung, fördern kulturelle und soziale Initiativen und unterstützen Menschen dabei, sich für das Gemeinwohl einzusetzen.
Demokratie lebt nicht allein von Institutionen. Sie lebt von Menschen, die sich einbringen – und von Organisationen, die dieses Engagement langfristig ermöglichen.
Die RHSM als Teilnehmerin: zuhören, einordnen, weiterdenken
Nach der Beteiligung als Sponsor und Aussteller beim Deutschen Stiftungstag 2025 in Wiesbaden war die RHSM 2026 bewusst in einer anderen Rolle vor Ort: als Teilnehmerin, Gesprächspartnerin und aufmerksame Beobachterin.
Gerade diese Rolle eröffnete die Freiheit, sich ohne eigenen Ausstellungsbetrieb durch das vielfältige Programm zu bewegen und in zahlreiche Dialoge einzutauchen. Fachveranstaltungen und Diskussionsrunden gehörten ebenso dazu wie Kaffeegespräche, zufällige Begegnungen auf den Wegen durch das Congress Center Hamburg und informelle Gespräche am Rande des Programms.
Diese vermeintlich kleinen Begegnungen sind häufig besonders wertvoll. Hier werden Erfahrungen offen geteilt, erste Ideen geprüft und Fragen ausgesprochen, für die im organisatorischen Alltag oft wenig Raum bleibt. Aus einem kurzen Gespräch können neue Verbindungen, ein anderer Blick auf eine Herausforderung oder der Beginn einer späteren Zusammenarbeit entstehen.
Für die RHSM gehört dieses Zuhören zum verantwortungsvollen Stiftungs- und Organisationsmanagement. Wer Strukturen zukunftsfähig gestalten will, muss verstehen, was Stiftende, Gremien, haupt- und ehrenamtlich Verantwortliche sowie ihre fachlichen Begleiter tatsächlich bewegt.
Wachsam bleiben: Hape Kerkeling in Hamburg
Zu den eindrücklichen Momenten des Deutschen Stiftungstags gehörte das Gespräch „Wachsam bleiben“ mit Hape Kerkeling. Als Künstler, Autor und Kuratoriumsmitglied der Deutschen AIDS-Stiftung verband er persönliche Haltung mit gesellschaftlicher Verantwortung.
Der Titel der Veranstaltung brachte eine Aufgabe auf den Punkt, die nicht nur Stiftungen betrifft: Eine offene Gesellschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Sie braucht Aufmerksamkeit gegenüber Ausgrenzung, Polarisierung und der schleichenden Verschiebung demokratischer Grenzen.
Wachsamkeit bedeutet dabei mehr als das Beobachten gesellschaftlicher Entwicklungen. Sie verlangt die Bereitschaft, die eigene Stimme zu erheben, Haltung zu zeigen und dort Verantwortung zu übernehmen, wo Freiheit, Menschenwürde und gesellschaftliche Teilhabe unter Druck geraten.
Dass eine solche Botschaft mit persönlicher Erfahrung, Ernsthaftigkeit und zugleich menschlicher Nähe vermittelt werden kann, hinterließ bei der RHSM einen bleibenden Eindruck.
Eckart von Hirschhausen: Verantwortung für die Lebensgrundlagen
Auch die Impulse von Dr. Eckart von Hirschhausen wirkten über die Veranstaltung hinaus. Als Arzt, Autor und Gründer der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen verbindet er Fragen der menschlichen Gesundheit mit dem Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen.
Seine Perspektive verdeutlicht, wie eng gesellschaftliche, ökologische und gesundheitliche Verantwortung zusammenhängen. Wer langfristig für das Gemeinwohl wirken will, kann diese Bereiche nicht getrennt voneinander betrachten.
Für Stiftungen liegt darin eine besondere Chance. Sie können Themen miteinander verbinden, neue Kooperationen anstoßen und Entwicklungen über längere Zeiträume begleiten. Ihre Unabhängigkeit eröffnet Handlungsspielräume – verpflichtet aber zugleich dazu, diese Freiräume verantwortungsvoll, vorausschauend und wirkungsorientiert zu nutzen.
Warum die organisierte Zivilgesellschaft unverzichtbar ist
Der Deutsche Stiftungstag 2026 machte sichtbar, wie vielfältig der Beitrag von Stiftungen und gemeinnützigen Organisationen zur Demokratie ist. Dieser Beitrag besteht nicht nur in der Förderung einzelner Projekte.
Organisationen des Dritten Sektors schaffen Orte, an denen Menschen Selbstwirksamkeit erfahren. Sie stärken Stimmen, die andernorts wenig Gehör finden. Sie erhalten kulturelle und gesellschaftliche Freiräume, fördern Wissen und ermöglichen einen sachlichen Dialog über unterschiedliche Positionen.
Damit dieses Engagement dauerhaft tragen kann, braucht es jedoch mehr als gute Ideen. Es braucht klare Zuständigkeiten, handlungsfähige Gremien, verlässliche Verwaltungsstrukturen und ein gemeinsames Verständnis von Zweck, Verantwortung und Wirkung.
Hier setzt die Arbeit der RHSM an. Sie unterstützt Stiftungen und gemeinnützige Organisationen dabei, ihre Aufgaben zu strukturieren, Beteiligte zu koordinieren und tragfähige organisatorische Grundlagen zu entwickeln. Rechtliche, steuerliche und vermögensbezogene Fragen werden dabei gemeinsam mit entsprechend qualifizierten Beraterinnen und Beratern bearbeitet.
Denn gesellschaftliche Wirkung benötigt nicht nur Engagement. Sie benötigt Strukturen, die dieses Engagement dauerhaft ermöglichen.
Das Klassentreffen der Stiftungsszene
Der Deutsche Stiftungstag wird häufig als das Klassentreffen der Stiftungsszene bezeichnet. Das ist durchaus treffend – solange damit mehr gemeint ist als ein jährliches Wiedersehen.
Ein gutes Klassentreffen lebt von vertrauten Gesichtern, neuen Geschichten und der Frage, was sich seit der letzten Begegnung verändert hat. Genau das war in Hamburg zu erleben: langjährige Wegbegleiter trafen auf neue Akteurinnen und Akteure, erfahrene Stiftungsverantwortliche auf die nächste Generation, große Organisationen auf kleine Initiativen und strategische Überlegungen auf konkrete Alltagserfahrungen.
Der besondere Wert des Stiftungstags liegt in dieser Mischung. Er bietet fachliche Orientierung, doch mindestens ebenso wichtig ist die Gemeinschaft, die zwischen den Programmpunkten entsteht.
Deshalb ist der Deutsche Stiftungstag kein Termin, den man allein wegen seines Vortragsprogramms besucht. Er ist ein Ort, an dem das Stiftungswesen sich selbst begegnet, voneinander lernt und die gemeinsame Verantwortung für die Gesellschaft immer wieder neu bestimmt.
Von Hamburg nach Dresden
Der Deutsche Stiftungstag 2026 hat die RHSM mit zahlreichen Gesprächen, neuen Impulsen und weiterführenden Fragen zurückgelassen. Das Thema „Aus Freiheit handeln“ wirkt dabei über die beiden Kongresstage hinaus.
Freiheit muss genutzt werden. Demokratie muss gestaltet werden. Und eine lebendige Zivilgesellschaft entsteht überall dort, wo Menschen nicht nur über Verantwortung sprechen, sondern sie gemeinsam übernehmen.
Der nächste Deutsche Stiftungstag findet am 2. und 3. Juni 2027 in Dresden statt. Die RHSM freut sich auf das nächste Klassentreffen der Stiftungsszene – auf bekannte Gesichter, neue Perspektiven und die Fortsetzung vieler Gespräche, die in Hamburg begonnen haben.