Hilfe, ich habe den Verein geschrumpft, oder: Wie man die Vereinsauflösung vermeiden kann (Teil 2)

Hilfe, ich habe den Verein geschrumpft - handeln

Von Florian Brechtel

Teil 2: Handeln

Im ersten Teil unserer Reihe haben wir uns damit beschäftigt, was Vereinsvorstände tun können, um eine drohende Auflösung ihres Vereins zu verhindern. Dabei haben wir uns zunächst auf solche Dinge konzentriert, durch die Vereine ihre Strukturen so ertüchtigen können, damit alles so bleiben kann, wie man es vorher gewohnt war.

Doch was ist zu tun, wenn alle diese Bemühungen ins Leere gelaufen sind und man der Wahrheit ins Auge schauen muss?
Wir schaffen es so nicht mehr!

Wenn zwei Vereine Schwierigkeiten haben, ausreichend Mitglieder, Vorstände, finanzielle Ressourcen und sonstige Mittel für ihren laufenden Vereinsbetrieb zu finden, es aber einem anderen Verein (oder Vereinen) in ihrer Nähe ähnlich geht, dann könnte man auch einmal darüber nachdenken, ob man nicht in Teilbereichen kooperiert oder über eine bloße Zusammenarbeit hinaus sogar rechtlich zusammenrückt.

Zugegeben, je nachdem, ob es aus der Vergangenheit sportliche Rivalitäten oder menschliche Animositäten gibt, kann dies ein emotional aufgeladenes und schwieriges Thema sein. Doch auch, wenn vielen Vereinsvertretern dies nicht immer vor Augen liegt: Egal, welche Zwecke Vereine verfolgen und wo sie in Deutschland ihren Sitz haben: Alle kämpfen mit den gleichen Problemen, unterliegen aber auch denselben Regeln und Gesetzen. Das birgt Chancen, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.

Hier ist an drei Maßnahmen zu denken:

1. Gründung einer gemeinsamen Service“gesellschaft“ / Auslagerungen administrativer Aufgaben an externe Dienstleister

Wenn die administrativen Aufgaben bei Mitgliederverwaltung, Buchhaltung, Steuererklärung und Antragswesen für Fördermittel und deren Abwicklung die vorhandenen Kräfte eines Vereins derartig binden, dass sie auszubrennen drohen und auch kein Ersatz im eigenen Verein in Sicht ist, könnte man über eine Team-Lösung mit einem oder sogar mehreren Vereinen am gleichen Ort nachdenken. So, wie man das aus dem Sportbereich sehr häufig bei Spielgemeinschaften kennt. Eine Verwaltungskraft auf Minijob-Basis, die die Mitgliederverwaltung und den Beitragseinzug für mehrere durchführt und dann anteilig von den beteiligten Vereinen getragen wird. Ein Hausmeister oder eine Reinigungskraft, die mehrere Liegenschaften betreuen oder sogar eine Geschäftsführerposition für alle gemeinsam. Dabei kann ein Verein diese Rolle (Arbeitgeberfunktion, Koordination der hauptamtlichen Kräfte etc.) für alle anderen übernehmen. Oder es wird eine zusätzliche Einheit wie eine GbR, GmbH oder ein Verein gegründet, die oder der dann für alle tätig werden kann.

Wenn man den Aufwand scheut, eine eigene Gesellschaft mit eigenem Personal zu gründen, kann man natürlich auch Einzelaufgaben an externe Dienstleister wie den HELFERRAT mit seiner Zentralen Geschäftsstelle auslagern. Wichtig ist aber, dass die Satzung dies erlaubt und der Vorstand weiterhin seine Kontrollfunktion beibehält, sich also nur von lästigen Tätigkeiten entlastet, trotzdem aber noch Bescheid weiß und gegebenenfalls eingreifen kann.

2. Ausgliederung einzelner „funktionierender“ Abteilungen als neuer Verein

Manchmal kommt es vor, dass ein Verein als Ganzes keine Zukunft hat, sehr wohl aber Teilbereiche. Sei es, weil hier ein aktuelles kulturelles Thema, eine Trendsportart oder einfach ein gutes Team auf Abteilungsebene zusammenarbeitet. Wenn diese Abteilung für sich entscheidet, an anderer Stelle neu zu gründen, kann die Aktivität aus dem Verein herausgelöst werden. Wichtig: Das gilt nicht für etwaig vorhandene Vermögenswerte wie finanzielle Mittel, Immobilien oder Sachmittel. Diese gehören dem Altverein und können nicht einfach mitgenommen werden. Formal müssen die scheidenden Mitglieder einen komplett neuen Verein gründen und dort von vorne anfangen. Ob sie zusätzlich im alten Verein verbleiben können oder wollen (Stichwort: vereinsschädigendes Verhalten), hängt sicherlich von den individuellen Umständen der Trennung ab.

3. (Teil-)Fusionen mit anderen Vereinen

Wenn es nicht um den Austritt einer ganzen Abteilung oder lediglich eine lose Zusammenarbeit geht, kann auch eine rechtliche Verschmelzung eine Idee für die Zukunft sein. Dabei sollten aber neben den kulturellen Aspekten, die es in den beteiligten Vereinen anzugehen gilt, vor allem nicht die erheblichen rechtlichen und steuerlichen Hürden unterschätzt werden, insbesondere wenn es bestehende Arbeits- oder Mietverträge gibt oder die Vereine unterschiedlich hohe Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten haben. Die Begleitung durch juristische Fachleute ist dabei unerlässlich.

Wenn selbst all diese Aktivitäten ins Leere laufen, bleibt den Vereinsverantwortlichen nichts anderes übrig, als die Schritte für eine Vereinsauflösung einzuleiten. Um hier nicht auf der „Zielgeraden“ noch in Probleme zu geraten, gilt es, verschiedene Punkte sorgfältig abzuarbeiten. Damit beschäftigt sich Teil 3: Abwickeln unserer Blogreihe.